Was machst du hauptberuflich...?
Nach dem Abschluss der Realschule und der Ausbildung zum Fernmeldetechniker besuchte ich später noch eine Fachschule für Informationselektronik, Netzwerktechnik, Industrieelektronik und Datenverarbeitung, die ich als staatlich geprüfter Techniker abschloss. Ich bin sehr zufrieden und arbeite für meine Heimatstadt Düsseldorf als Projektleiter für Netzwerktechnik und Gefahrenmeldeanlagen.
 
 
Wie kamst du überhaupt zu Schachcomputern...?
Inspiriert und fasziniert wurde ich von dem Schachwettkampf von David Levy gegen Chess 4.8, der 1979 in einem Hamburger Fernsehstudio stattfand und live übertragen wurde. Nun war es endlich soweit. Ich hatte etwas Geld gespart und nach wochenlangem Testen verschiedener Modelle in einem Kaufhaus entschied ich mich damals für stolze 495 DM für den Computer und 35 DM für das Netzteil, also ca. 265 Euro, für einen Fidelity Sensory 9. Es war der 23.Juli 1983. Ich habe noch die Originalrechnung und alles, was dazugehört, später dazu noch ein CB 9 Opening-Book. Den SC9 mit Book habe ich heute noch und der ist unverkäuflich.
 
 
Wie fing das an mit deinen Schachcomputerreparaturen...?
Ich erinnere mich gut. Im Jahre 2003 hatte ich eine Frage an einen ebay Verkäufer wegen eines SARGON_ARB. Der Verkäufer sagte mir, dass der ARB defekt ist und kam mit ihm zu mir nach Hause. Nach wenigen Messungen hatte ich den Fehler und reparierte den ARB. Der Verkäufer war überglücklich und ich war damit einverstanden, dass er ihn nun behalten kann. Er bezahlte mich grosszügig und brachte mir später einen anderen SARGON_ARB, den ich für sehr wenig Geld behalten durfte. Dieser Verkäufer war ein leidenschaftlicher Schachcomputersammler und hatte nur sehr gute Geräte und es dauerte nicht lange, bis er mit einem anderen Gerät von einem seiner zahlreichen Bekannten zu mir kam. So sprach es sich herum, dass da jemand in Düsseldorf lebt, der die " alten Kisten " repariert. Beim 2.D.A.C.H. Turnier lernte ich dann neben vielen anderen Sammlern den sympathischen österreicher Kurt Kispert kennen und er war so nett und hilfreich und gestattete es, meine Dienste auf seiner Internetseite zu veröffentlichen.
 
 
Wieviele Schachcomputer haben schon bei Dir kurzeitig zur Reparatur pausiert...?
300-400 oder mehr!? Ich weiss es nicht mehr genau.
 
 
Wieviele besitzt DU eigentlich und gehen Die auch kaputt...?
12 besitze ich, sie waren bis auf einen alle schon mal defekt. Da wären ARB 2.5, Sensory 9 mit CB9, Elite A/S, Challenger Voice und Sensory Voice, MMI, MMV, MarkVI, Stratos, ssystemIII, SARGON MGS_2.5 und Super Conny.
 
 
Welchen reparierst du am liebsten...und welchen am wenigsten...?
ARB am liebsten - und der Novag Adversary kostet mich Nerven und viel Zeit und besonders schwierig erweist sich immer RISC I + II, denn diese sind sehr komplex und schwierig.
 
 
Welchen würdest du gerne mal reparieren...?
BOGOL 5.0
 
 
Welche seltenen Geräte waren schon bei Dir...?
... im Grunde genommen (fast) alle, auch ein TSB LA Regence. Ein HandRoid war aber noch nicht da...
 
 
Wie ist die Abwicklung bei Reparaturen...?
Als Erstes versuche ich in einem Talk herauszufinden, was es für ein Gerät ist und wie sich der Fehler bemerkbar macht und ob schon jemand anderes Reparaturversuche unternommen hat.Das kommt leider sehr oft vor und oftmals ist der Schaden dadurch nur noch grösser geworden. Es gibt aber Computer, wie zum Beispiel den MK I, da lohnt sich das Porto für den Versand nicht. Das sage ich den Menschen dann auch, um keine Enttäuschungen vorzuprogrammieren. Wenn alles soweit geklärt ist und ich eine Möglichkeit einer Reparatur sehe, bitte ich den Kunden, meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen dem Computer beim Versand beizulegen, die ich ihm vorher per Mail zusende. Da steht dann alles weitere drin. Manchmal kann man den Fehler im Gespräch so stark eingrenzen, dass das Gerät erst gar nicht die Reise antreten muss, z.B, wenn sich herausstellt, dass das Netzteil defekt ist.
 
 
Wie kalkuliert sich der Preis für eine Reparatur...?
Jede Reparatur braucht ihre Zeit, es müssen Teile oft erst im Internet oder woanders gesucht und bestellt werden, Zeichnungen werden von mir angefertigt, Mails werden beantwortet, der Postweg, Steuerberater, Messgeräte, Versuchsaufbauten, Telefonate usw. Daher gestaltet sich die Preisfindung immer nur pauschal und nach Absprache. weil der Preis der Bauteile und die organisatorischen Kosten nicht davon abhängen, ob sie für einen 50 oder 300 Euro teuren Schachcomputer verwendet werden. Betriebswirtschaftlich gesehen kann das " Produkt Schachcomputerreparatur " nicht rentabel werden, weil man ansonsten mit einem Stundenpreis von ca. Euro 65-70 rechnen müsste und das hätte zur Folge, dass viele unserer uns ans Herz gewachsenen elektronischen Schachfreunde defekt blieben. In erster Linie verstehe ich meine Arbeit und unser gemeinsames Hobby als Kulturerhalt, dieses wunderbaren Teils einer Industriekultur, die bestimmt dazu beigetragen hat, dass das komplexe und nicht immer leicht zu verstehende Verhältnis Mensch zu Maschine (z.B. Arbeitsplatzgefahr durch Einsatz von Elektronik) sozusagen spielerich auf hohem Niveau zusätzlich eine sozial annehmbare Qualität bekam.
 
 
Welche Schachcomputer reparierst du...?
Alle Marken von Schachcomputern versuche ich zu reparieren und es wird immer schwieriger Ersatzteile zu beschaffen. Ich suche auf der Suche nach "alten" Schaltkreisen das Internet ab und finde in einem fernen Land ab und zu mal einige Bauteile. Dadurch, dass ich lange in der Mobilfunkindustrie bei Ericsson und Group 3G gearbeitet habe, kenne ich noch einige ehemalige Kollegen aus dem Ausland und die schreibe ich an, wenn es einmal nicht mehr weitergeht. Einmal bekam ich aus Venezuela ein Dutzend Schaltkreise, die in einigen Schachcomputern von Applied Concepts und Fidelity ihre Arbeit verrichten. Oftmals kaufe ich aber auch alte Geräte auf in der Hoffnung, dass das Bauteil, was ich gerade brauche, bloss nicht defekt ist, zum Beispiel der Sprachsynthesizer des alten Fidelity Challenger Voice passt in alle Fidelity Elite mit Sprachfunktion. Manchmal ist es ein Lotteriespiel.
 
 
Erzähl doch mal ein paar Highlights...?
Ich sollte mal einen RISC 2500 reparieren und lachte mich krank, als der ankam. Da wohl das Drucksensorspielfeld defekt war, lötete der Besitzer 8x8 Drähte, also 64 Drähte auf die Platine und jedes Mal wenn er einen Zug machen wollte, verband er die blanken Enden für die Reihen und Linien. Da guckte das Drahtchaos aus dem Computer. Da war auch nix mehr zu reparieren.
oder... einmal war ein Ehering in einem Karton. Die Freude war gross, als ich dies dem Besitzer mitteilte.
oder... dann sollte ich mal einen Computer reparieren und als ich ihn öffnete, staunte ich nicht schlecht - es war gar keine Elektronik drin. Später stellte sich heraus, dass ein ebay-Verkäufer sie entfernt hatte.
oder...ach du Schreck- aus einem Karton aus den USA kroch tatsächlich mal eine dicke, fette, schwarze Spinne. Ich fing sie zitternd ein und brachte sie zu einem Spinnenkenner. Sie war zum Glück ungefährlich und ich setzte sie danach schnell im Wald aus


Zurück Werkstatt

Wer ist Arno Kreuzberg?

Total: 0537635
Online: 0000001
Auctions: 0002802
 Hilfe 
 Statistiken 
 Suchen